ETF-Overlap: Versteckte Doppelungen in deinem Depot finden
Drei ETFs im Depot, aber nur ein Risiko? So findest du versteckten ETF-Overlap und schützt dich vor doppelten Positionen in Apple, Microsoft und Nvidia.
Du hast dir vor zwei Jahren einen Welt-ETF gekauft. Letztes Jahr kam ein US-ETF dazu, weil die Kurse dort besser liefen. Und letzten Monat hast du noch einen Themen-ETF für künstliche Intelligenz ins Depot gelegt, weil der Trend überall war. Auf dem Papier sieht das nach einem breit aufgestellten Depot mit drei verschiedenen Bausteinen aus. Schaust du aber genauer hin, steckt in allen drei ETFs zu grossen Teilen dieselbe Handvoll US-Technologiekonzerne. Apple, Microsoft, Nvidia und Amazon tauchen in jedem der drei Fonds unter den Top-10-Positionen auf. Das nennt man ETF-Overlap, und es ist eine der unterschätztesten Stolperfallen beim Aufbau eines ETF-Depots.
Das Tückische daran: Im Depotauszug deines Brokers siehst du drei saubere, unterschiedlich benannte Positionen. Niemand zeigt dir automatisch an, wie stark sich diese Positionen inhaltlich überschneiden. Dieser Artikel zeigt dir, wie Overlap entsteht, warum er dein Depot riskanter macht als gedacht, und wie du ihn in 15 Minuten selbst aufdeckst.
Was ist ETF-Overlap überhaupt?
Overlap bezeichnet die Überschneidung der Einzeltitel zwischen zwei oder mehr Fonds, die du gleichzeitig hältst. Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist im Kern nichts anderes als ein Korb aus hunderten oder tausenden Aktien, verpackt in ein einziges handelbares Wertpapier. Wenn du mehrere ETFs kombinierst, kombinierst du in Wirklichkeit die Körbe, aus denen sie bestehen. Und viele dieser Körbe greifen tiefer in die gleichen Unternehmen als dir bewusst ist.
Ein MSCI-World-ETF hält etwa 1'300 Aktien aus Industrieländern, gewichtet nach Börsenwert. Ein S&P-500-ETF hält 500 US-Aktien, ebenfalls nach Börsenwert gewichtet. Weil die grössten US-Technologiekonzerne in beiden Indizes ganz oben stehen, bist du mit einer Kombination aus beiden ETFs in Apple, Microsoft und Nvidia doppelt investiert, nur eben in unterschiedlichem Verhältnis. Du zahlst doppelte Verwaltungsgebühren für einen Diversifikationseffekt, der in der Praxis viel kleiner ist, als die Namen der drei Fonds vermuten lassen.
Der Grund liegt in der Konstruktionsweise der meisten Indizes. Fast alle grossen ETF-Indizes gewichten Unternehmen nach Marktkapitalisierung, also nach dem aktuellen Börsenwert. Je grösser ein Konzern, desto mehr Platz nimmt er im Index ein, und desto wahrscheinlicher taucht er auch in jedem anderen marktkapitalisierungsgewichteten Index wieder weit oben auf. Ein Welt-ETF, ein US-ETF und ein Technologie-ETF greifen damit fast zwangsläufig auf dieselben fünf bis zehn Unternehmen zurück, auch wenn die drei Fonds unter völlig verschiedenen Namen und Geschichten vermarktet werden.
Warum Overlap dein Depot riskanter macht, als du denkst
Der ganze Sinn eines diversifizierten Depots ist es, das Risiko auf viele unabhängige Positionen zu verteilen, damit der Ausfall eines einzelnen Unternehmens dein Vermögen nicht gross beeinflusst. Overlap unterläuft genau dieses Prinzip, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt. Du siehst drei ETF-Positionen im Depotauszug deines Brokers und denkst, du bist breit gestreut. In Wirklichkeit hängt ein grosser Teil deines Vermögens am Erfolg von vielleicht zehn Unternehmen.
Das wird besonders unangenehm, wenn genau diese Unternehmen gemeinsam unter Druck geraten, etwa bei einer Korrektur im US-Technologiesektor. Dann fallen alle drei ETFs gleichzeitig und ungefähr gleich stark, weil sie am Ende vom selben Motor angetrieben werden. Die gefühlte Diversifikation war eine Illusion, die erst in der Krise sichtbar wird, wenn es am meisten schmerzt.
Die häufigsten Overlap-Fallen bei Schweizer Anlegern
In der Praxis entsteht Overlap fast nie absichtlich. Er schleicht sich über Monate und Jahre ein, meist nach demselben Muster:
| Kombination | Typisches Overlap bei Top-10-Positionen | Was passiert |
|---|---|---|
| Welt-ETF (MSCI World) + US-ETF (S&P 500) | ca. 60–65 % | US-Übergewicht wird verdoppelt statt diversifiziert |
| Welt-ETF + Technologie-/KI-Themen-ETF | ca. 70–85 % | Fast dieselben Mega-Caps zweimal im Depot |
| S&P 500 + Nasdaq-100-ETF | ca. 85–90 % | Nasdaq-ETF liefert kaum zusätzliche Diversifikation |
| Welt-ETF + Swiss-ETF (SMI) + US-ETF | je nach Gewichtung 40–55 % zum Rest | Drei ETFs, aber nur zwei echte Risikoquellen |
Besonders tückisch sind Themen-ETFs. Ein Fonds mit dem Namen "Artificial Intelligence" oder "Future Mobility" klingt nach einer eigenständigen Wette, hält aber in der Realität oft die immer gleichen zehn bis fünfzehn US-Grosskonzerne, die du über deinen Welt-ETF längst besitzt. Du zahlst eine deutlich höhere Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, kurz TER) für einen Fonds, der kaum neue Unternehmen ins Depot bringt, die dein Welt-ETF nicht schon enthält.
Ein Overlap, den viele Schweizer Anlegerinnen und Anleger gar nicht auf dem Radar haben, liegt in der eigenen Säule 3a. Wer seine dritte Säule über einen ETF-Vorsorgeanbieter wie VIAC in einer globalen Aktienstrategie anlegt, hält damit automatisch einen weiteren Welt- oder US-Aktienkorb, der sich mit dem privaten Depot überschneidet. Das ist nicht grundsätzlich falsch, gehört aber in die Gesamtbetrachtung deines Vermögens. Ein Depot-Check, der nur das freie Wertschriftendepot berücksichtigt und die Vorsorgegelder ausblendet, zeigt dir nur die halbe Wahrheit über dein tatsächliches Aktienrisiko.
So prüfst du dein Depot in 15 Minuten auf Overlap
Du brauchst keine teure Software, um Overlap aufzudecken. Drei Schritte reichen für einen ersten, sehr aussagekräftigen Check:
Schritt 1: Top-10-Holdings jedes ETFs nachschlagen. Jeder ETF-Anbieter veröffentlicht auf seiner Webseite die aktuellen zehn grössten Positionen im Fonds, meist unter "Holdings" oder "Portfolio". Notiere dir diese Liste für jeden ETF in deinem Depot.
Schritt 2: Listen nebeneinander legen. Markiere, welche Firmennamen in mehreren Listen auftauchen. Bei zwei oder drei ETFs reicht dafür ein einfaches Blatt Papier oder eine Tabelle.
Schritt 3: Gewichtung grob einschätzen. Zähle nicht nur, ob ein Name mehrfach vorkommt, sondern grob auch wie stark er jeweils gewichtet ist. Zehn Prozent Overlap bei Apple ist unkritisch. Wenn aber fünf der zehn grössten Positionen in zwei ETFs praktisch identisch sind, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Depotstruktur.
Wer sich die Tipparbeit sparen will: Apps wie findependent zeigen dir dein gesamtes ETF-Depot auf einen Blick inklusive der zugrunde liegenden Positionen, was einen manuellen Abgleich deutlich erleichtert. Über diesen Link erhältst du bei der Eröffnung aktuell einen Bonus von CHF 3'000 gebührenfrei verwaltetes Vermögen.
Praxisbeispiel: Ein Depot mit 30'000 Franken auf drei ETFs
Stell dir ein Depot von 30'000 Franken vor, aufgeteilt auf drei ETFs zu je 10'000 Franken: einen MSCI-World-ETF, einen S&P-500-ETF und einen Nasdaq-100-ETF. Auf den ersten Blick wirkt das nach einer vernünftigen Streuung über drei verschiedene Fonds. Rechnet man die tatsächliche Aktienexposition durch, zeigt sich ein anderes Bild:
| Unternehmen | Anteil im MSCI World | Anteil im S&P 500 | Anteil im Nasdaq-100 |
|---|---|---|---|
| Apple | ca. 4,5 % | ca. 6,5 % | ca. 8,5 % |
| Microsoft | ca. 4,2 % | ca. 6,0 % | ca. 8,0 % |
| Nvidia | ca. 4,0 % | ca. 6,0 % | ca. 7,5 % |
Diese drei Unternehmen allein machen damit einen auffällig grossen Teil aller drei Fondspositionen aus. Anstatt dein Geld auf drei unabhängige Risikoquellen zu verteilen, hast du dein US-Technologierisiko effektiv verdreifacht, nur in drei unterschiedlichen Verpackungen und mit drei separaten TER-Gebühren. Ein einziger breiter Welt-ETF hätte dir eine ähnliche Technologiegewichtung zu tieferen Gesamtkosten und mit echter zusätzlicher Streuung über Europa, Japan und Schwellenländer geliefert.
Rechnest du die drei TER-Sätze zusammen und vergleichst sie mit der TER eines einzigen breiten Welt-ETFs, kommt meist ein Unterschied von mehreren Zehntel Prozentpunkten pro Jahr heraus. Auf 30'000 Franken und über zwanzig Jahre gerechnet, läppert sich das zu einem Betrag, der deutlich grösser ist als der vermeintliche Diversifikationsgewinn aus drei statt einem Fonds. Du zahlst also mehr Gebühren für weniger echte Streuung, ein Tausch, den kaum jemand bewusst eingehen würde, wenn er so offen auf dem Tisch läge.
Wann Overlap okay ist, und wann nicht
Nicht jede Überschneidung ist ein Fehler. Wenn du bewusst eine Übergewichtung in einem bestimmten Segment anstrebst, etwa weil du langfristig stärker auf US-Wachstumswerte oder auf einen Faktor wie Small Caps setzen willst, kann ein zusätzlicher ETF mit Overlap durchaus Teil einer Strategie sein. Entscheidend ist der Unterschied zwischen einer bewussten Entscheidung und einer zufälligen Anhäufung von ETFs, die du über die Jahre ohne Plan dazugekauft hast.
Ein einfacher Test: Kannst du in einem Satz erklären, warum du diesen zusätzlichen ETF neben deinen bestehenden Positionen hältst, und was er an echter, neuer Diversifikation beiträgt? Wenn die Antwort lautet "weil er zuletzt gut gelaufen ist", ist das ein Hinweis auf Overlap ohne Mehrwert. Wenn die Antwort eine klare Rolle im Gesamtdepot beschreibt, etwa eine gezielte Übergewichtung von Schwellenländern oder Nebenwerten, ist Overlap an dieser Stelle eine bewusste Entscheidung und kein Planungsfehler.
Wie oft solltest du dein Depot auf Overlap prüfen?
Overlap ist kein Zustand, den du einmal kontrollierst und dann abhakst. Jedes Mal, wenn du einen neuen ETF kaufst, einen bestehenden ETF aufstockst oder dein Vorsorgeguthaben in eine neue Strategie umschichtest, verschiebt sich die Zusammensetzung deines Gesamtdepots. Ein guter Rhythmus ist der halbjährliche Check, am besten gekoppelt an einen Termin, den du ohnehin schon im Kalender hast, etwa das Rebalancing oder die jährliche Depotübersicht fürs Steuerjahr.
Wichtiger als die genaue Frequenz ist die Gewohnheit, dir vor jedem neuen ETF-Kauf kurz die Top-10-Holdings anzusehen. Diese einfache Routine verhindert die meisten Overlap-Probleme, bevor sie überhaupt entstehen, und ist deutlich weniger Aufwand, als ein über Jahre gewachsenes Depot im Nachhinein wieder zu entwirren.
Praxistipp
Bevor du den nächsten ETF kaufst, stell dir die Gegenfrage: Welche der zehn grössten Positionen deines neuen Wunsch-ETFs hältst du über deine bestehenden Fonds schon? Diese Frage allein hat so manchen spontanen Kauf eines glänzenden Themen-ETFs verhindert. Wer sein ETF-Depot über einen Broker wie Saxo konsolidiert statt über mehrere Plattformen zu streuen, hat zudem alle Positionen an einem Ort und damit den Überblick für genau diesen Abgleich deutlich einfacher zur Hand.
Fazit und dein nächster Schritt
Mehr ETFs bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation. Oft bedeuten sie nur mehr Gebühren für dieselben zehn Unternehmen, die du längst über deinen Welt-ETF hältst. Ein Depot aus zwei bis drei sorgfältig gewählten, sich wirklich ergänzenden ETFs schlägt in aller Regel ein Depot aus sechs Fonds mit massivem Overlap, sowohl bei den Kosten als auch beim tatsächlichen Risikoprofil.
Dein nächster Schritt: Nimm dir heute Abend 15 Minuten Zeit, schau dir die Top-10-Holdings deiner aktuellen ETFs an und prüfe, wie viel Overlap wirklich in deinem Depot steckt. Die Antwort überrascht die meisten Anlegerinnen und Anleger.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und ist keine Anlageberatung im Sinne des FIDLEG. Entscheidungen zu deinem Portfolio triffst du in eigener Verantwortung – bei Bedarf zieh eine qualifizierte Fachperson bei. Einige Links sind Empfehlungslinks: Nutzt du sie, kann das für dich und mich einen Vorteil bringen (z. B. Gebührenrabatt). Das kostet dich nichts und beeinflusst die Inhalte nicht. Mehr unter Profitieren.