Themen-ETF: Wie viel KI und Robotik verträgt dein Depot?
KI- und Robotik-ETF boomen 2026 – enge Themen-ETF bergen Klumpenrisiko und höhere Kosten. Wie viel Beimischung sinnvoll ist, mit konkreten ETF-Beispielen.
Dein ETF-Sparplan läuft seit Monaten stur nach Plan – und dann fällt beim Blick auf die Performance-Charts ein Name auf, der alles infrage stellt: ein KI-ETF mit 60 oder 70 Prozent Kursgewinn im laufenden Jahr. Dein MSCI-World-ETF wirkt daneben behäbig, fast langweilig. Die Versuchung, einen Teil des Ersparten umzuschichten, ist gross.
Themen-ETFs auf Künstliche Intelligenz (KI), Robotik oder Cybersecurity gehören 2026 zu den meistdiskutierten Trends im Schweizer ETF-Markt. Gleichzeitig zeigen Handelsdaten Schweizer Plattformen, dass die Mehrheit der Anlegerinnen und Anleger bei breiten Welt-ETF bleibt und KI-ETF im Depot nur eine Nebenrolle spielen. Was steckt hinter dem Hype, wo steckt das Klumpenrisiko – und wie viel Themen-ETF verträgt dein Depot wirklich? Genau das klärt dieser Beitrag.
Was ist ein Themen-ETF überhaupt?
Ein gewöhnlicher ETF (Exchange Traded Fund) bildet einen breiten Index nach: Der MSCI World enthält rund 1'400 Aktien aus 23 Industrieländern, der FTSE All-World über 4'000 Titel aus der ganzen Welt, Industrie- und Schwellenländer zusammen. Ein Themen-ETF dagegen bildet nur ein enges Marktsegment ab – Künstliche Intelligenz, Robotik, Cybersecurity, Wasserstoff oder Cannabis sind bekannte Beispiele.
Der Unterschied zu einem Sektor-ETF ist subtil, aber real. Ein Sektor-ETF bildet einen ganzen Wirtschaftszweig ab, etwa den globalen Technologiesektor mit hunderten Firmen. Ein Themen-ETF grenzt enger ein und wählt Firmen aus verschiedenen Sektoren, die von einem bestimmten Trend profitieren sollen. Ein KI-ETF mischt zum Beispiel Chiphersteller, Cloud-Anbieter und Softwarefirmen zusammen, weil sie alle mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben – auch wenn sie in ganz unterschiedlichen Branchen tätig sind.
Für dein Depot bedeutet das: Je enger das Thema gefasst ist, desto weniger Firmen stecken im ETF, und desto stärker hängt die Rendite von den Entscheidungen einzelner Unternehmen ab.
Die bekanntesten Themen-ETF im Überblick
Das Angebot an Themen-ETF ist in den letzten Jahren stark gewachsen, längst nicht mehr nur Künstliche Intelligenz und Robotik. Cybersecurity-ETF bündeln Firmen aus IT-Sicherheit, Verschlüsselung und Netzwerkschutz – ein Thema, das mit jeder neuen Hacking-Schlagzeile mehr Aufmerksamkeit bekommt. Wasserstoff- und Clean-Energy-ETF setzen auf die Energiewende und erneuerbare Technologien, waren in den letzten Jahren aber auch für heftige Kursschwankungen bekannt. Dazu kommen Nischen wie Weltraumtechnologie, Gaming und E-Sport oder Cannabis – jede mit eigener Wachstumsstory, aber auch eigenem Risiko.
Gemeinsam ist allen diesen Produkten: Der Name klingt nach einem klaren, verständlichen Trend, die tatsächliche Zusammensetzung des Index ist es oft nicht. Zwei ETF mit demselben Themennamen können völlig unterschiedliche Aktien enthalten, je nachdem, wie der Indexanbieter das Thema definiert und filtert. Ein Blick ins Factsheet vor dem Kauf lohnt sich deshalb immer, auch wenn zwei Produkte auf den ersten Blick austauschbar wirken.
Warum Themen-ETFs gerade boomen
Der Hype um Künstliche Intelligenz hat seit dem Start von ChatGPT Ende 2022 eine Dynamik entwickelt, die manche Beobachter an die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende erinnert. Chiphersteller wie Nvidia haben sich in wenigen Jahren im Börsenwert vervielfacht, ganze Indizes wurden von einer Handvoll KI-naher Aktien nach oben gezogen. Kein Wunder, dass Fondsanbieter im gleichen Tempo neue KI- und Robotik-ETF auf den Markt bringen.
Spannend ist der Blick auf das tatsächliche Verhalten Schweizer ETF-Sparerinnen und -Sparer: Das Volumen in ETF-Sparplänen ist laut Handelsdaten der Schweizer Plattform BX Swiss in den ersten sieben Monaten 2026 um rund 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen – getrieben allerdings nicht primär von KI-ETF, sondern von breiten Welt-ETF. Ein ETF auf den FTSE All-World führt die Beliebtheitsrangliste an, ein bekannter KI-ETF taucht erst auf Rang fünf auf. Der typische Schweizer ETF-Sparer bleibt also diszipliniert – der Hype spielt sich stärker in den Schlagzeilen ab als im tatsächlichen Depot.
Das heisst nicht, dass Themen-ETF grundsätzlich falsch sind. Es heisst nur, dass sie etwas anderes tun als dein Kern-Depot und entsprechend anders behandelt werden sollten.
Das Klumpenrisiko konkret
Zahlen machen den Unterschied greifbar. Ein Welt-ETF wie der FTSE All-World hält über 4'000 Aktien, die grösste Einzelposition macht meist deutlich unter 5 Prozent des Fonds aus. Ein typischer KI- oder Robotik-ETF kommt dagegen oft auf 30 bis 100 Positionen, und die zehn grössten Werte können zusammen 40 bis 60 Prozent des Fonds ausmachen. Fällt eine dieser Aktien stark, spürst du das im gesamten ETF deutlich.
Auch die Schwankungsbreite unterscheidet sich deutlich. Der MSCI World schwankt in einem durchschnittlichen Jahr um rund 15 Prozent (annualisierte Volatilität), ein enger KI- oder Robotik-ETF kann phasenweise auf 30 Prozent oder mehr kommen. Das bedeutet nicht automatisch weniger Rendite über sehr lange Zeiträume, aber deutlich stärkere Ausschläge nach oben und unten – und genau diese Ausschläge sind es, die Anlegerinnen und Anleger erfahrungsgemäss zum ungünstigsten Zeitpunkt verkaufen lassen.
Dazu kommt: Themen-ETF sind oft prozyklisch. Fondsanbieter lancieren neue Produkte meist genau dann, wenn ein Thema schon läuft, nicht davor. Wer erst einsteigt, wenn ein Trend in den Schlagzeilen ist, kauft tendenziell zu einem Zeitpunkt, an dem die Bewertungen bereits gestiegen sind. Die Geschichte kennt genug Beispiele dafür: Solar-ETF nach 2011 oder Cannabis-ETF nach 2019 lagen Jahre später deutlich im Minus, während der breite Markt längst wieder zugelegt hatte.
Das ist kein Grund für Panik und kein Argument gegen Themen-ETF an sich. Es ist ein Argument dafür, sie als das zu behandeln, was sie sind: eine Wette auf einen Trend, kein Ersatz für ein breit diversifiziertes Kern-Depot.
Kosten: TER bei Themen-ETF oft höher
Neben dem Konzentrationsrisiko kommt ein zweiter Faktor dazu: der Preis. Die Gesamtkostenquote (TER, Total Expense Ratio) gibt an, wie viel Prozent des investierten Vermögens ein ETF pro Jahr an Gebühren kostet. Bei breiten Welt-ETF liegt die TER meist zwischen 0.07 und 0.20 Prozent pro Jahr. Themen-ETF kosten spürbar mehr, weil die zugrunde liegenden Indizes aufwendiger zusammengestellt und aktiver gepflegt werden müssen.
| ETF | Fokus | TER p.a. |
|---|---|---|
| Invesco FTSE All-World UCITS ETF | Welt-Aktien breit | 0.15 % |
| Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data UCITS ETF | KI & Big Data | 0.35 % |
| iShares Automation & Robotics UCITS ETF | Robotik & Automatisierung | 0.40 % |
0.20 bis 0.25 Prozentpunkte Unterschied klingen nach wenig, summieren sich über Jahrzehnte aber spürbar auf. Bei einer Anlage von CHF 10'000 über 20 Jahre und einer angenommenen Bruttorendite von 6 Prozent pro Jahr macht der Unterschied zwischen 0.15 und 0.40 Prozent TER rund CHF 1'400 an zusätzlichen Kosten aus – Geld, das dem Zinseszinseffekt fehlt, nur weil der ETF teurer eingekauft wurde.
Woran du ein seriöses Themen-ETF erkennst
Nicht jeder Themen-ETF überlebt den Hype, der ihn hervorgebracht hat. Anbieter schliessen regelmässig Produkte, die zu wenig Kapital anziehen. Für dich bedeutet eine Schliessung einen Zwangsverkauf zum ungünstigsten Zeitpunkt und zusätzlichen administrativen Aufwand. Drei Punkte helfen bei der Einschätzung, bevor du kaufst.
Fondsvolumen: ETF mit weniger als CHF 50 bis 100 Millionen verwaltetem Vermögen tragen ein höheres Schliessungsrisiko als etablierte Produkte mit mehreren Milliarden. Die Fondsgrösse steht im Factsheet oder auf Vergleichsportalen wie justetf.com.
Handelsvolumen: Ein tägliches Handelsvolumen von nur wenigen tausend Franken bedeutet grössere Spreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) und schlechtere Ausführungspreise, gerade bei grösseren Kauf- oder Verkaufsaufträgen.
Indexbreite: Manche Themen-ETF halten nur 20 bis 30 Aktien, andere über 100. Je breiter der zugrunde liegende Index, desto geringer das Risiko, dass eine einzelne Fehlentwicklung den ganzen ETF nach unten zieht.
Wie viel Themen-ETF verträgt dein Depot?
Die gängige Faustregel unter Anlageprofis: Themen-ETF gehören höchstens zu 5 bis 15 Prozent ins Gesamtdepot, der Rest bleibt breit gestreut. Diese Aufteilung – ein solider Kern aus Welt-ETF plus eine kleine Satelliten-Position für Trendthemen – nennt sich Core-Satellite-Strategie (Kern-Satelliten-Strategie) und lässt sich mit einem konkreten Beispiel greifbar machen.
Bei einem Depot von CHF 20'000 bedeutet eine 10-Prozent-Satelliten-Quote: CHF 18'000 bleiben im breiten Welt-ETF, CHF 2'000 fliessen in einen oder zwei Themen-ETF nach Wahl. Fällt der KI-ETF um 40 Prozent, verlierst du CHF 800 – ärgerlich, aber verkraftbar. Wäre das ganze Depot im gleichen ETF investiert gewesen, wären es CHF 8'000 gewesen.
Läuft der Themen-ETF gut, wächst die Satelliten-Position mit der Zeit von selbst über die ursprünglich geplanten 10 Prozent hinaus. Genau dann lohnt sich ein Rebalancing: Gewinne teilweise realisieren und zurück in den Welt-ETF umschichten, statt die Position unkontrolliert weiterwachsen zu lassen. Diszipliniertes Rebalancing ist bei Themen-ETF sogar wichtiger als beim breiten Kern-Depot, weil die Ausschläge grösser und die Klumpenrisiken schneller entstehen.
Eine zweite Kontrollfrage lohnt sich vor dem Kauf: Wie stark überschneiden sich die Top-Positionen des Themen-ETF mit denen, die du über deinen Welt-ETF ohnehin schon hältst? Bei vielen KI-ETF stehen dieselben grossen US-Technologiefirmen ganz oben, die auch im MSCI World bereits stark gewichtet sind. Wer hier zugreift, verstärkt eine Wette, die er über den Welt-ETF teilweise schon eingegangen ist – und zahlt dafür die höhere Themen-ETF-Gebühr gleich nochmals obendrauf.
Praxistipp: Wirf vor dem Kauf eines Themen-ETF einen Blick auf die zehn grössten Positionen im Factsheet des Anbieters – meist auf der Produktseite oder kostenlos auf Vergleichsportalen wie justetf.com einsehbar. Tauchen dort dieselben drei oder vier Namen auf, die ohnehin schon die grössten Positionen deines Welt-ETF sind, kaufst du im Kern denselben Trend zweimal: einmal günstig über den Welt-ETF, einmal teuer über den Themen-ETF. In diesem Fall lohnt sich eher eine kleinere Position oder der Verzicht ganz. Prüfe bei dieser Gelegenheit gleich das Fondsvolumen mit – kleine, wenig gehandelte Themen-ETF verschwinden manchmal so schnell wieder vom Markt, wie sie aufgetaucht sind.
Themen-ETF auf KI, Robotik oder andere Trends sind kein Betrug und keine reine Zockerei, aber auch kein Ersatz für ein solides Kern-Depot. Sie eignen sich als kleine, bewusst begrenzte Beimischung für alle, die an einen langfristigen Trend glauben und einen Kursrückgang von 30 oder 40 Prozent gelassen aussitzen können. Der grösste Teil deines Vermögens gehört weiterhin in einen breit diversifizierten Welt-ETF. Wer bei jedem neuen Hype-Thema nervös wird, fährt mit einem reinen Welt-ETF-Depot ohnehin entspannter – Themen-ETF sind ein Zusatz für alle, die das Auf und Ab bewusst in Kauf nehmen, nicht eine Pflichtübung für ein gutes Portfolio.
Dein nächster Schritt: Schau dir dein aktuelles Depot an und rechne nach, wie viel Prozent bereits in Themen- oder Sektor-ETF steckt. Liegst du über 15 Prozent, lohnt sich ein Rebalancing zugunsten des Kern-Depots. Wer noch kein Welt-ETF-Fundament hat, baut es am einfachsten zuerst automatisiert über einen Sparplan auf, zum Beispiel bei findependent – mit dem Code KUU7NG sind die ersten CHF 3'000 gebührenfrei, CHF 1'000 mehr als ohne Code. Wer gezielt einzelne Themen-ETF ausserhalb des Standardangebots kaufen will, findet bei Saxo eine deutlich breitere Produktauswahl.
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