Obligationen im ETF-Depot: Brauchst du sie bei Nullzins?
Der SNB-Leitzins steht bei 0 Prozent, Schweizer Staatsanleihen werfen kaum Rendite ab. Was Obligationen-ETFs fürs Portfolio bringen – und wer besser verzichtet.
Du hast ein ETF-Depot aufgebaut, das zu 100 Prozent aus Aktien besteht – und irgendwo hast du die Faustregel aufgeschnappt, dass ein Teil davon eigentlich in Obligationen gehören sollte. Also schaust du dir einen Schweizer Staatsanleihen-ETF an und findest eine Rendite von 0,32 Prozent. Nach Abzug der Schweizer Teuerung von zuletzt 0,4 Prozent bleibt real praktisch nichts übrig – in manchen Monaten sogar ein Minus. Da stellt sich die berechtigte Frage: Lohnt sich eine Obligationen-Beimischung bei einem Leitzins von 0 Prozent überhaupt noch, oder ist das Geld in Aktien oder auf dem Sparkonto besser aufgehoben?
Die kurze Antwort: Es kommt stark auf deinen Anlagehorizont an – und die Rolle, die Obligationen im Depot spielen, hat sich in den letzten Jahren verschoben. Bei einem Leitzins von 0 Prozent geht es bei der Beimischung nicht mehr in erster Linie um Rendite, sondern um etwas anderes. Dieser Beitrag zeigt, was Obligationen-ETFs 2026 in der Schweiz tatsächlich leisten, wann Cash die einfachere Alternative ist und wie du die Entscheidung für dein eigenes Depot triffst.
Wozu Obligationen überhaupt im Depot?
Eine Obligation (auch Anleihe genannt) ist im Kern ein Kredit: Du leihst einem Staat oder einem Unternehmen Geld für eine bestimmte Laufzeit und bekommst dafür einen fixen Zins plus am Ende die Rückzahlung des Nennwerts. Ein Obligationen-ETF bündelt Hunderte solcher Kredite in einem einzigen Wertpapier, das du wie einen Aktien-ETF an der Börse kaufst und verkaufst.
Die klassische Portfoliotheorie schreibt Obligationen zwei Aufgaben zu. Erstens sollen sie sich anders verhalten als Aktien: Wenn die Börse crasht, sollen Obligationen stabil bleiben oder sogar steigen, weil Anleger in Krisen in vermeintlich sichere Staatsanleihen umschichten. Zweitens dienen sie als Rebalancing-Reserve – Kapital, das sich in einer Aktien-Baisse in günstige Aktien umschichten lässt, statt Aktien ausgerechnet im Tief verkaufen zu müssen. Die bekannte 60/40-Regel (60 Prozent Aktien, 40 Prozent Obligationen) baut genau auf dieser Logik auf.
Das Problem: Diese Logik stammt aus einer Welt, in der Obligationen 3, 5 oder sogar 8 Prozent Zins abwarfen. Bei 0 Prozent Leitzins fällt einer der beiden Vorteile – die Rendite – praktisch weg. Was bleibt, ist die Stabilisierungsfunktion. Ob die genug Gewicht hat, ist die eigentliche Frage dieses Beitrags.
Die Realität 2026: Nullzins in der Schweiz
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält ihren Leitzins seit Mitte 2025 bei 0 Prozent und signalisiert keine Absicht, daran kurzfristig etwas zu ändern. Das drückt direkt auf die Rendite von Obligationen-ETFs mit Schweizer-Franken-Anleihen: Der iShares Swiss Domestic Government Bond 3-7 ETF (CSBGC7), einer der gängigsten Fonds für mittelfristige Schweizer Staatsanleihen, wies Anfang August 2026 eine Effektivverzinsung von gerade einmal 0,32 Prozent aus.
Zum Vergleich: Die Schweizer Teuerung lag im Juli 2026 bei 0,4 Prozent. Rechnest du das gegen die Anleihenrendite, bleibt real ein Minus von rund 0,1 Prozentpunkten übrig – dein Geld verliert also nach Kaufkraft leicht an Wert, wenn es ausschliesslich in Schweizer Staatsanleihen liegt. Das ist keine Ausnahmesituation eines einzelnen Monats, sondern der Normalzustand, seit die SNB ihre Zinssenkungen 2025 abgeschlossen hat.
Konkret heisst das: Wer CHF 20'000 in den CSBGC7 investiert, kassiert bei 0,32 Prozent gerade einmal rund CHF 64 Zins pro Jahr – brutto, vor Vermögenssteuer. Damit unterscheidet sich die Schweiz spürbar von den USA oder der Eurozone, wo die Leitzinsen deutlich höher liegen und entsprechend auch Fremdwährungs-Obligationen mehr abwerfen. Für dein Depot heisst das: Ein reiner CHF-Obligationen-Anteil bringt 2026 fast keine Rendite – die Beimischung muss sich also über die zweite Funktion rechtfertigen, die Stabilisierung.
Was Obligationen-ETFs trotz Nullzins leisten
Auch ohne nennenswerten Zins bleibt ein Effekt bestehen: Obligationen schwanken deutlich weniger als Aktien. Über die letzten 20 Jahre lag die Volatilität von währungsgesicherten globalen Obligationen bei rund 3 Prozent pro Jahr, während Aktien und alternative Anlagen auf über 16 Prozent kommen. Ein Depot mit einer Obligationen-Position schwankt insgesamt ruhiger – nicht weil die Obligationen etwas verdienen, sondern weil sie das Auf und Ab der Aktien verwässern.
Dieser Effekt hat einen handfesten psychologischen Nutzen. Ein Depot, das in einer Krise «nur» 20 statt 35 Prozent verliert, wird seltener in Panik verkauft. Genau solche Panikverkäufe gehören erfahrungsgemäss zu den teuersten Anlegerfehlern überhaupt – wer im Crash aussteigt und den Wiedereinstieg verpasst, verliert oft mehr, als jede Gebühr oder jede falsche ETF-Wahl je kosten könnte.
Ein Vorbehalt gehört aber dazu: Die Absicherung ist nicht garantiert. 2022 fielen Aktien und Obligationen gleichzeitig, weil steigende Zinsen beide Anlageklassen unter Druck setzten. Obligationen sind ein statistischer Puffer, kein Airbag mit Garantie. Eine Beimischung erhöht die Wahrscheinlichkeit für ruhigere Depotverläufe – eine Gewissheit ist das nicht.
Cash statt Obligationen: die unterschätzte Alternative
Wenn die Rendite ohnehin gegen null geht, drängt sich eine simple Frage auf: Warum nicht gleich Cash halten statt eines Obligationen-ETF? Ein Vergleich zeigt, wie knapp der Unterschied tatsächlich ist. Schweizer Sparkonten werfen 2026 kaum mehr ab als der Leitzins – die Migros Bank etwa zahlt auf ihrem Sparkonto 0,10 Prozent bis CHF 100'000 und darüber 0 Prozent. Der CSBGC7-Obligationen-ETF liegt mit 0,32 Prozent nur unwesentlich darüber.
Der Unterschied liegt im Detail: Cash hat kein Zinsänderungsrisiko, Obligationen schon. Steigt der Leitzins später wieder, fallen die Kurse bestehender Obligationen, weil neu emittierte Anleihen dann attraktiver verzinst sind – das nennt sich Durationsrisiko (Kurs-Empfindlichkeit auf Zinsänderungen) und wirkt sich umso stärker aus, je länger die Restlaufzeit der gehaltenen Anleihen ist. Ein ETF auf kurzlaufende Anleihen wie der iShares Swiss Domestic Government Bond 0-3 (CSBGC3) reagiert entsprechend träger auf Zinsänderungen als der längerlaufende CSBGC7 – wirft dafür aber tendenziell noch weniger ab.
Für die reine Cash-Reserve – Notgroschen, kurzfristig geplante Ausgaben – ist ein Sparkonto meist die einfachere Wahl: sofort verfügbar, ohne Kursschwankung. Für den strategischen, langfristig gehaltenen Depotanteil sprechen die etwas höhere Rendite und die breite Streuung über viele Anleihen eher für den ETF.
Für wen sich die Beimischung lohnt
Die entscheidende Grösse ist dein Anlagehorizont, nicht die aktuelle Zinslage. Wer sein Geld erst in 20 oder 30 Jahren braucht, kann einen Crash einfach aussitzen – die Zeit repariert die meisten Aktienrückschläge der Vergangenheit. In dieser Phase ist eine hohe oder sogar vollständige Aktienquote nachvollziehbar, weil die fehlende Zinsrendite der Obligationen schwerer wiegt als ihr Stabilisierungsnutzen.
Näher am Zeitpunkt, an dem das Geld tatsächlich gebraucht wird – sei es der Ruhestand, ein Eigenheimkauf oder der Beginn regelmässiger Bezüge aus dem Depot – verschiebt sich die Rechnung. Ein Crash kurz vor oder während der Entnahmephase kann das Ergebnis eines ganzen Anlegerlebens verschlechtern, weil Aktien dann ausgerechnet im Tief verkauft werden müssen, um Geld zu beziehen. Dieses sogenannte Sequence-of-Returns-Risiko (Risiko der Reihenfolge der Renditen) lässt sich mit einem Obligationen- oder Cash-Polster spürbar entschärfen.
Als grobe Orientierung – keine individuelle Empfehlung – wird in der Praxis oft nach Horizont gestaffelt: Bei 20 Jahren oder mehr sind 90 bis 100 Prozent Aktien verbreitet. Bei 10 bis 15 Jahren Horizont kommen häufig 20 bis 30 Prozent Obligationen oder Cash dazu. Wer bereits vom Depot lebt oder in den nächsten Jahren darauf zugreifen will, hält oft 40 Prozent oder mehr in stabileren Anlagen. Die konkrete Aufteilung hängt zusätzlich von der persönlichen Risikofähigkeit und -bereitschaft ab.
So baust du die Obligationen-Position praktisch auf
Fällt die Entscheidung für eine Beimischung, kommt die Währungsfrage vor der Fondswahl. Bei so tiefen Renditen kann eine ungünstige Wechselkursbewegung eine ganze Jahresrendite auslöschen oder verdoppeln – ein Risiko, das bei Obligationen ungleich schwerer wiegt als bei Aktien, weil kaum Zinsertrag als Puffer bleibt. Für den Obligationen-Teil des Depots ist eine Absicherung in Franken (CHF-hedged) deshalb meist sinnvoller, selbst wenn die Absicherung selbst ein paar Basispunkte kostet.
Vier Bausteine decken die gängigsten Bedürfnisse ab:
| ETF | Fokus | Zinsänderungsrisiko |
|---|---|---|
| iShares Swiss Domestic Government Bond 0-3 (CSBGC3) | Kurzlaufende Schweizer Staatsanleihen | Tief |
| iShares Swiss Domestic Government Bond 3-7 (CSBGC7) | Mittelfristige Schweizer Staatsanleihen | Mittel |
| iShares Core CHF Corporate Bond (CHCORP) | Unternehmensanleihen in CHF, etwas mehr Rendite fürs Kreditrisiko | Mittel |
| Vanguard Global Aggregate Bond UCITS ETF (CHF Hedged, Acc) | Weltweite Anleihen, währungsgesichert in Franken | Mittel bis hoch |
Wer sein Depot bereits über findependent führt, findet dort neben Aktien-ETF auch Anleihen-ETF im Angebot – die Position lässt sich also ohne Depotwechsel direkt dazu buchen. Mit dem Code KUU7NG sind die ersten CHF 3'000 des Depots gebührenfrei, CHF 1'000 mehr als ohne Code. Das kostet nichts zusätzlich und unterstützt gleichzeitig investsmart365. Falls ein bestimmter Fonds – etwa ein global gestreuter Obligationen-ETF ausserhalb des Kernangebots – dort fehlt, bietet sich als Alternative ein Depot bei Saxo mit breiterer Fondsauswahl an.
Praxistipp
Wer unsicher ist, ob eine Obligationen-Beimischung passt, muss nicht sofort die ganze Zielquote umsetzen. Bewährt hat sich ein kleiner Einstieg: zuerst 5 bis 10 Prozent des Depots in einen CHF-Obligationen-ETF umschichten und beobachten, wie sich das Gesamtdepot in der nächsten spürbaren Marktkorrektur verhält. Fühlt sich der gedämpfte Ausschlag stimmig an, lässt sich die Quote in kleinen Schritten erhöhen. Bleibt die Position während des ganzen Prozesses unangetastet, statt bei jedem Kursrutsch wieder verkauft zu werden, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass die gewählte Aufteilung zur eigenen Risikotragfähigkeit passt.
Fazit
Bei einem Leitzins von 0 Prozent verdienen Obligationen in der Schweiz kaum mehr als eine Alibi-Rendite – die reine Zinslogik der 60/40-Regel trägt 2026 nicht mehr. Was bleibt, ist die Stabilisierungsfunktion: weniger Schwankung, ein psychologischer Puffer gegen Panikverkäufe und eine Reserve fürs Rebalancing. Ob das die geringe Opportunitätskosten gegenüber einer höheren Aktienquote wert ist, hängt vom eigenen Anlagehorizont ab – nicht davon, ob Obligationen gerade viel abwerfen.
Dein nächster Schritt: Leg deinen persönlichen Anlagehorizont fest und bestimme auf dieser Basis eine Zielquote zwischen Aktien und Obligationen. Auch 100 Prozent Aktien sind bei langem Horizont eine bewusste, legitime Wahl – kein Fehler.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und ist keine Anlageberatung im Sinne des FIDLEG. Entscheidungen zu deinem Portfolio triffst du in eigener Verantwortung – bei Bedarf zieh eine qualifizierte Fachperson bei. Einige Links sind Empfehlungslinks: Nutzt du sie, kann das für dich und mich einen Vorteil bringen (z. B. Gebührenrabatt). Das kostet dich nichts und beeinflusst die Inhalte nicht. Mehr unter Profitieren.