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SMI-Wechsel 2026: Das Klumpenrisiko in deinem Schweizer ETF

Ab 21. September wechseln zwei Aktien im SMI. Was das für deinen ETF automatisch ändert – und warum die Konzentration auf drei Riesen das grössere Thema ist.

· · 9 Min. Lesezeit
Beitragsbild SMI-Wechsel 2026: Das Klumpenrisiko in deinem Schweizer ETF

Am 21. September 2026 wechseln im Swiss Market Index (SMI) zwei Titel: Galderma und Sandoz steigen neu auf, Swisscom und Kühne+Nagel fliegen raus und wandern in den Nebenwerte-Index SMI MID. Wer einen ETF auf den SMI oder den breiteren Swiss Performance Index (SPI) hält, muss dafür nichts tun. Der Fondsanbieter passt das Portfolio automatisch an, meist über Nacht und ohne zusätzliche Kosten.

Trotzdem lohnt sich in diesen Tagen ein zweiter Blick aufs eigene Depot. Nicht wegen der zwei Neuzugänge selbst, sondern wegen dem, was der Wechsel offenlegt: wie eng der SMI tatsächlich gestrickt ist und wie viel Gewicht ein «Schweiz-ETF» in Wirklichkeit auf eine Handvoll Grosskonzerne legt. Wer Schweizer Aktien im Depot hat, besitzt oft deutlich weniger Diversifikation, als der Name des Index vermuten lässt – und genau darum geht es in diesem Beitrag: was am 21. September konkret passiert, warum der SMI überhaupt so zusammengesetzt ist, und wie viel Schweiz sinnvollerweise ins eigene ETF-Portfolio gehört.


Was am 21. September genau passiert

Der SMI ist kein statisches Gebilde. Die Betreiberin SIX Swiss Exchange, die Schweizer Börse, überprüft die Zusammensetzung zweimal jährlich und ersetzt Titel, die nicht mehr zu den Kriterien passen. Massgeblich ist dabei nicht nur die Börsenkapitalisierung, sondern der sogenannte Free Float: der Anteil der Aktien, der tatsächlich frei am Markt gehandelt wird und nicht fest bei einem Grossaktionär oder dem Staat liegt.

Bei Kühne+Nagel hält Haupteigentümer Klaus-Michael Kühne rund 60 Prozent der Aktien, beim Swisscom der Bund als Ankeraktionär rund 51 Prozent. Beide Werte fallen dadurch im Free-Float-Ranking zurück und müssen dem breiter gestreuten Galderma (Dermatologie) und Sandoz (Generika und Biosimilars) Platz machen. Kühne+Nagel und Swisscom verschwinden nicht von der Börse, sie wechseln lediglich in den SMI MID, den Index für die grössten Nebenwerte ausserhalb der 20 SMI-Titel.

Für dich als ETF-Anleger heisst das konkret: Der Fondsanbieter deines SMI- oder SPI-ETF bildet diese Änderung automatisch nach. Bei einem physisch replizierenden ETF verkauft er im Hintergrund Anteile der ausscheidenden Titel und kauft die neuen dazu, bei einem synthetisch replizierenden ETF passt sich das zugrundeliegende Tauschgeschäft entsprechend an. Beides läuft ohne Aktion von deiner Seite und in aller Regel ohne spürbare Zusatzkosten. Solche Wechsel sind zudem Routine und keine Ausnahme: Der SMI tauscht in unregelmässigen Abständen einzelne Titel aus, ohne dass daraus je grössere Verwerfungen für Anlegerinnen und Anleger entstanden wären.


Galderma und Sandoz: zwei Namen, die eigentlich nicht neu sind

Wer die zwei Neuzugänge zum ersten Mal hört, könnte meinen, der SMI hole sich damit zwei komplett neue Player ins Boot. Tatsächlich sind beide alte Bekannte in neuem Kleid. Sandoz war bis Oktober 2023 die Generika- und Biosimilar-Sparte von Novartis und wurde per Börsengang als eigenständiges Unternehmen abgespalten, heute Europas grösster Generikahersteller. Galderma war jahrelang die Hautpflege-Sparte von Nestlé, bekannt als Nestlé Skin Health, bevor sie 2019 für rund CHF 10,2 Milliarden verselbstständigt wurde und später an die Börse ging.

Beide Konzerne trennten sich von diesen Sparten aus ähnlichem Grund: Novartis wollte sich auf patentgeschützte Innovationsmedikamente konzentrieren, Nestlé auf das Kerngeschäft mit Lebensmitteln und Ernährung. Auch das ist im Übrigen keine Premiere: Alcon, ebenfalls eine ehemalige Novartis-Sparte, kam auf demselben Weg bereits 2019 neu in den Index. Für die Diversifikationsfrage im Depot ist das ein aufschlussreiches Detail: Zwei der «neuen» SMI-Titel sind im Kern historische Ableger von Konzernen, die im Index ohnehin schon zu den grössten Positionen gehören. Der SMI wird dadurch nicht automatisch vielfältiger, er bleibt ein enges Geflecht aus wenigen Schweizer Konzernfamilien.


Das eigentliche Problem: Konzentration auf wenige Titel

Der Wechsel von zwei Titeln ändert am Grundproblem des SMI wenig. Die drei grössten Positionen – Nestlé, Novartis und Roche – bringen es zusammen auf annähernd die Hälfte der Indexgewichtung. Zählst du die viertgrösste Position UBS dazu, liegt der Anteil der vier grössten Werte bei über 50 Prozent. Die restlichen 16 bis 17 Titel im Index teilen sich den Rest.

Das bedeutet: Wer CHF 10'000 in einen SMI-ETF investiert, hält damit indirekt rund CHF 4'500 bis 5'000 in nur drei bis vier Unternehmen, auch wenn der ETF-Name «Schweizer Aktien, breit gestreut» suggeriert. Eine einzelne Gewinnwarnung bei Nestlé oder ein Rückschlag in der Pharma-Pipeline von Roche wirkt sich damit überproportional auf das gesamte Depot aus. Diversifikation über mehrere Länder ist eben nicht automatisch dasselbe wie Diversifikation über mehrere Unternehmen.

Zum Vergleich: Im MSCI World, dem meistgenutzten Industrieländer-Index für Welt-ETF, macht die grösste Einzelposition selten mehr als 5 bis 6 Prozent aus. Das Klumpenrisiko im SMI ist damit deutlich höher als in einem breit gestreuten Welt-ETF, ein Punkt, der beim Abschnitt «Wie viel Schweiz gehört ins Depot?» weiter unten wichtig wird.


SMI, SPI oder SMI Equal Weight: die Unterschiede

Wer gezielt in Schweizer Aktien investieren will, hat mehr Auswahl, als die meisten vermuten. Der SMI bildet nur die 20 grössten und liquidesten Titel ab. Der SPI (Swiss Performance Index) ist breiter gefasst und enthält über 200 kotierte Schweizer Unternehmen, von Grosskonzernen bis zu kleinen Nebenwerten. Seit einigen Jahren gibt es zudem den SMI Equal Weight, unter anderem als Fonds der Zürcher Kantonalbank angeboten, der alle 20 SMI-Titel gleich gewichtet statt nach Börsenwert.

IndexAnzahl TitelGrösste EinzelpositionEignung
SMI20rund 15–18 %Kerninvestment, hohes Klumpenrisiko
SPIca. 200rund 12–15 %breiter, Pharma bleibt Schwergewicht
SMI Equal Weight205 % (gleichgewichtet)tiefere Konzentration, meist höhere Gebühren
MSCI World (Welt-ETF)ca. 1'400–1'5005–6 %global breit, Schweiz nur mit rund 2 %

Keine der vier Varianten ist grundsätzlich falsch, sie lösen einfach unterschiedliche Probleme. Der SPI reduziert das Klumpenrisiko nur leicht, weil auch dort Nestlé, Novartis und Roche das Schwergewicht behalten. Der SMI Equal Weight schafft eine gleichmässigere Verteilung, meist bei einer etwas höheren Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER). Ein globaler Welt-ETF löst das Problem nochmals anders: Er gewichtet die Schweiz einfach nach ihrem tatsächlichen Anteil an der Weltwirtschaft, aktuell rund 2 Prozent.


Ein guter Anlass für den Depot-Check

Wie viel Schweiz grundsätzlich ins Depot gehört, ist eine eigene, längere Diskussion. Die ausführliche Version dazu steht im Beitrag Home Bias: Wie viel Schweiz gehört ins ETF-Depot?. Der Indexwechsel vom 21. September ersetzt diese Überlegung nicht, er ist aber ein konkreter Anlass, eine früher getroffene Schweiz-Quote kurz zu überprüfen, statt sie einfach unverändert weiterlaufen zu lassen.

Als Beispiel: Bei einem Aktienanteil von CHF 50'000 und einer bewusst gewählten Schweiz-Quote von 15 Prozent liegen rund CHF 7'500 in einem SMI- oder SPI-ETF, der Rest von CHF 42'500 läuft global gestreut. Trägt eine einzelne Schweizer Aktie in diesem Fall mehr als 1 bis 2 Prozent des gesamten Aktienvermögens, lohnt sich die Frage, ob die ursprüngliche Quote noch zur aktuellen Zusammensetzung des SMI passt, gerade weil sich diese durch Wechsel wie am 21. September laufend verändert.

Wer die eigene Schweiz-Quote lieber automatisch über einen einzigen Welt-ETF mitlaufen lässt, statt sie separat zu verwalten, kann das zum Beispiel über die ETF-App findependent umsetzen: Mit dem Code KUU7NG sind die ersten CHF 3'000 gebührenfrei, CHF 1'000 mehr als ohne Code. Wer stattdessen lieber gezielt einzelne ETF wählt, etwa einen SMI-Equal-Weight- oder SPI-ETF neben dem Welt-ETF, findet bei einem Broker wie Saxo die entsprechende Auswahl.


So findest du dein eigenes Klumpenrisiko

Der schnellste Weg zur eigenen Konzentration führt über das Factsheet des ETF. Jeder Anbieter, ob iShares, UBS, Swisscanto oder Vanguard, veröffentlicht monatlich ein PDF mit den «Top 10 Holdings», meist direkt auf der Produktseite oder über unabhängige Datenbanken wie justETF verfügbar. Dort steht exakt, wie viel Prozent des Fondsvermögens auf die grössten Einzelpositionen fällt.

Als Faustregel: Liegt eine einzelne Aktie bei über 8 bis 10 Prozent des gesamten Aktienanteils im Depot, lohnt sich ein bewusster Blick, ob das Absicht oder Zufall ist. Bei einem reinen SMI-ETF ist das praktisch garantiert der Fall, weil Nestlé, Novartis und Roche einzeln schon oft über 10 Prozent liegen. Das ist nicht automatisch ein Fehler, ein bewusster Heimmarkt-Fokus kann durchaus sinnvoll sein, aber es sollte eine Entscheidung sein und kein Zufallsprodukt, nur weil «Schweizer Aktien-ETF» beim Depot-Eröffnen naheliegend klang.

Wer mehrere ETF gleichzeitig hält, etwa einen SMI-ETF neben einem Welt-ETF, sollte die Positionen zusätzlich zusammenrechnen. Roche taucht nämlich nicht nur im SMI auf, sondern mit kleinerem Gewicht auch im MSCI World und im SPI. Die tatsächliche Gesamtposition ist damit oft höher, als ein Blick auf nur einen einzelnen Fonds vermuten lässt.


Praxistipp

SIX Swiss Exchange überprüft die grossen Indizes wie den SMI planmässig zweimal im Jahr, im März und im September. Wer sich diese zwei Termine im Kalender markiert, hat einen einfachen, ruhigen Rhythmus für den jährlichen Konzentrations-Check, unabhängig von der eigenen Rebalancing-Strategie fürs Gesamtdepot (dazu mehr im Beitrag Portfolio-Rebalancing: Wann und wie du dein ETF-Depot anpasst). Ein Blick reicht: Hat sich die Gewichtung der grössten Position spürbar verändert, kann das ein guter Anlass sein, die nächste Sparplan-Rate bewusst etwas anders zu verteilen, statt gleich das ganze Depot umzuschichten.


Fazit

Der Titelwechsel im SMI am 21. September ist für ein bestehendes ETF-Depot reine Formsache, der Fondsanbieter übernimmt die Anpassung automatisch. Die eigentlich wichtige Erkenntnis liegt woanders: Ein «Schweizer Aktien-ETF» ist selten so breit gestreut, wie der Name suggeriert, weil drei bis vier Grosskonzerne rund die Hälfte des Gewichts tragen.

Dein nächster Schritt: Schau dir in den nächsten Tagen kurz die Top-10-Positionen deines aktuellen Depots an und entscheide bewusst, wie viel Gewicht Nestlé, Novartis, Roche und Co. darin tatsächlich haben sollen. Das kostet fünf Minuten und macht die Schweiz-Gewichtung im Depot zu einer bewussten Wahl statt zu einem Nebenprodukt der Index-Zusammensetzung.


Dieser Artikel dient der allgemeinen Finanzbildung und ist keine Anlageberatung im Sinne des FIDLEG. Entscheidungen zu deinem Portfolio triffst du in eigener Verantwortung – bei Bedarf zieh eine qualifizierte Fachperson bei. Einige Links sind Empfehlungslinks: Nutzt du sie, kann das für dich und mich einen Vorteil bringen (z. B. Gebührenrabatt). Das kostet dich nichts und beeinflusst die Inhalte nicht. Mehr unter Profitieren.