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Sparplan oder Einmalanlage: Was bringt mehr Rendite?

Sparplan oder Einmalanlage: Was die Vanguard-Zahlen zum Cost-Average-Effekt wirklich zeigen – und wie du dein Geld in der Schweiz clever ins ETF-Depot bringst.

· · 8 Min. Lesezeit
Beitragsbild Sparplan oder Einmalanlage: Was bringt mehr Rendite?

Stell dir vor, auf deinem Sparkonto liegen 15'000 Franken – eine Erbschaft, ein Bonus oder einfach über Jahre zusammengespartes Geld. Der Vorsatz ist klar: endlich raus aus dem Sparkonto, rein ins ETF-Depot (Exchange Traded Fund). Dann die Blockade: Der Weltaktienindex steht nahe seinem Allzeithoch, so wie schon mehrmals in diesem Sommer. Alles auf einen Schlag zu investieren fühlt sich riskant an. Wäre es nicht klüger, das Geld über zwölf Monate verteilt einzuzahlen und abzuwarten, was der Markt macht?

Diese Frage – Einmalanlage oder Sparplan – gehört zu den meistdiskutierten unter Schweizer ETF-Anlegerinnen und -Anlegern. Die Antwort ist unbequemer, als viele Ratgeber zugeben: Mathematisch gewinnt in den meisten Fällen die Einmalanlage. Gefühlsmässig gewinnt trotzdem oft der Sparplan. Wie du für dein Geld die passende Entscheidung triffst, zeigt dieser Beitrag – mit Zahlen statt Bauchgefühl.


Was der Cost-Average-Effekt wirklich bedeutet

Wer sein Geld in mehreren Tranchen statt auf einmal investiert, nutzt den sogenannten Cost-Average-Effekt (auch DCA für Dollar-Cost-Averaging genannt). Die Idee: Weil du regelmässig einen fixen Betrag investierst, kaufst du automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse tief stehen, und weniger, wenn sie hoch stehen. Über die Zeit ergibt sich so ein durchschnittlicher Einstiegspreis, der Ausschläge nach oben und unten glättet.

Das Gegenstück ist die Einmalanlage: Der gesamte Betrag wandert sofort ins Depot, zu einem einzigen Kurs, an einem einzigen Tag. Kein Abwarten, kein Verteilen, keine Ratenzahlung.

Beide Varianten haben mit deiner grundsätzlichen Anlagestrategie nichts zu tun. Es geht nur um die Frage, wie ein bereits vorhandener Betrag ins Depot kommt – nicht darum, ob ETFs die richtige Wahl sind oder wie du sie auswählst. Das ist ein wichtiger Unterschied zum klassischen ETF-Sparplan, den viele als Dauerauftrag ab Lohneingang laufen haben: Dort fliesst monatlich neues Geld ins Depot, weil es neu verdient wurde – nicht, weil ein bereits vorhandener Betrag künstlich gestreckt wird.


Was die Zahlen wirklich sagen

Die grösste und meistzitierte Untersuchung zu diesem Thema stammt vom US-Fondsanbieter Vanguard. Ausgewertet wurden historische Marktdaten aus den USA, Grossbritannien und Australien von 1926 bis 2015. Das Ergebnis: Über rollierende Zehnjahresperioden hat die Einmalanlage die zwölfmonatige Verteilung in rund zwei Drittel der Fälle geschlagen – in den USA konkret in 68 Prozent der Perioden. Bei einem gemischten Portfolio aus Aktien und Obligationen lag die Einmalanlage im Schnitt rund 2 Prozent pro Jahr vorne.

Der Vorsprung wächst mit dem Zeitraum, über den verteilt wird: Wird das Geld über sechs Monate gestreckt, gewinnt die Einmalanlage in etwa 64 Prozent der Fälle. Wird über 36 Monate verteilt, liegt die Einmalanlage sogar in über 90 Prozent der Fälle vorne. Je länger du wartest und streckst, desto grösser wird der erwartete Nachteil gegenüber dem sofortigen Einstieg.

Diese Zahlen wirken auf den ersten Blick überraschend. Die Erklärung dahinter ist simpel und hat nichts mit geschicktem Markttiming zu tun.


Und wenn der Markt gerade auf Allzeithoch steht?

Genau das ist meistens der Auslöser für die Sparplan-Frage: Kaum steht ein Index wie der MSCI World auf einem neuen Höchststand, wächst die Sorge, jetzt besonders ungünstig einzusteigen. Das Gefühl ist verständlich, der Denkfehler dahinter ist aber gut belegt: In einem Markt, der über Jahrzehnte im Trend nach oben zeigt, sind neue Höchststände kein Ausnahmezustand, sondern schlicht das, was ein steigender Markt laufend produziert. Wer nur einsteigt, wenn der Markt nicht gerade hoch steht, verpasst historisch betrachtet einen grossen Teil der Zeit überhaupt.

Das heisst nicht, dass ein Rückschlag nach einem Allzeithoch ausgeschlossen ist – Korrekturen von 10 bis 20 Prozent gehören zu jedem Marktzyklus und können jederzeit einsetzen, auch kurz nach deinem Einstieg. Nur lässt sich der Zeitpunkt einer solchen Korrektur nicht zuverlässig vorhersagen, auch nicht mit noch so viel Erfahrung oder noch so vielen Charts. Ein Allzeithoch ist damit kein verlässliches Signal, um mit dem Investieren zu warten – genauso wenig wie ein Kursrückgang ein verlässliches Signal ist, jetzt sofort einzusteigen.


Warum die Einmalanlage meistens gewinnt

Aktienmärkte steigen über lange Zeiträume häufiger, als sie fallen. Der amerikanische Leitindex S&P 500 schloss seit 1928 in rund 73 Prozent aller Kalenderjahre im Plus. Wer Geld zurückhält, statt es zu investieren, verzichtet damit die meiste Zeit auf einen Markt, der tendenziell steigt – nicht, weil jemand besonders geschickt den perfekten Einstieg abwartet, sondern weil das Kapital schlicht weniger Zeit erhält, um zu arbeiten.

Genau das ist der Kernpunkt: Zeit im Markt schlägt langfristig das Timing des Markts. Ein Sparplan über zwölf Monate bedeutet, dass ein Teil deines Geldes bis zu elf Monate lang auf einem Konto liegt, bevor er überhaupt investiert wird – und dort in der Regel deutlich weniger Rendite erzielt als im Depot. Dieser Liquiditätsnachteil hält die Einmalanlage in der Mehrheit der historischen Zeiträume vorne, nicht ein besonders glücklicher Einstiegszeitpunkt.

Wichtig für die Einordnung: „meistens gewinnt" heisst nicht „gewinnt immer". Wer im Januar 2008 sein gesamtes Vermögen auf einen Schlag investiert hätte, wäre mit einer Verteilung über die folgenden zwölf Monate deutlich besser gefahren – die Finanzkrise liess die Kurse über das ganze Jahr hinweg weiter fallen. Genau in solchen anhaltenden Abwärtsphasen dreht sich der statistische Vorteil um.


Warum trotzdem viele einen Sparplan wählen

Wenn die Mathematik so klar für die Einmalanlage spricht, warum entscheiden sich dann so viele Anlegerinnen und Anleger für die Ratenlösung? Die Antwort liegt nicht in der Rendite, sondern im Risiko – genauer: im Bedauern, das ein möglicher Rückschlag auslöst.

Wer 20'000 Franken an einem Montag investiert und der Markt am Dienstag zehn Prozent verliert, spürt diesen Verlust sofort und vollständig. Wer die gleiche Summe über zwölf Monate verteilt, erlebt einen solchen Einbruch nur mit dem Teilbetrag, der bereits investiert ist. Der erwartete Ertrag ist bei der Verteilung im Schnitt tiefer, doch die Schwankungsbreite der möglichen Ergebnisse ist es ebenfalls. Für alle, die nachts schlecht schlafen, wenn das Depot zweistellig im Minus steht, ist das ein echter Wert – auch wenn er sich nicht direkt in Rendite ausdrücken lässt.

Dazu kommt ein praktischer Grund: Die wenigsten haben tatsächlich einen grossen Batzen Geld, der auf einen Schlag investiert werden will. Der klassische ETF-Sparplan speist sich aus dem laufenden Lohn – jeden Monat kommt neues Geld hinzu, das investiert wird, sobald es da ist. Das ist gar kein Vergleich zwischen Sparplan und Einmalanlage, sondern schlicht die einzig sinnvolle Art, laufendes Einkommen anzulegen. Die eigentliche Entscheidung zwischen den beiden Strategien stellt sich nur bei bereits vorhandenem Kapital: einer Erbschaft, einem Bonus, dem Verkaufserlös einer Liegenschaft oder einem grösseren Betrag, der schon lange auf dem Sparkonto liegt.


Der Kompromiss: ein Hybrid-Ansatz

Zwischen den beiden Extremen gibt es einen Mittelweg, der in der Praxis oft am ehesten zum eigenen Nervenkostüm passt: einen Teil sofort investieren, den Rest über wenige Monate verteilen. Eine gängige Variante ist die Hälfte-Regel: 50 Prozent des Betrags sofort ins Depot, die restlichen 50 Prozent gleichmässig über drei bis sechs Monate verteilt.

Diese Lösung verzichtet zwar auf einen Teil der statistisch höheren Rendite der reinen Einmalanlage, reduziert aber das Bedauern-Risiko deutlich. Genau das sorgt in der Praxis oft dafür, dass Anlegerinnen und Anleger überhaupt investiert bleiben, statt aus Angst doch wieder alles auf dem Sparkonto zu parken. Eine Strategie, die du durchhältst, ist am Ende wertvoller als eine mathematisch optimale Strategie, die du nach dem ersten Kursrutsch abbrichst.


Rechenbeispiel: 12'000 Franken in CHF

Angenommen, du hast 12'000 Franken, die in einen breit gestreuten Welt-ETF fliessen sollen. Drei Varianten im Vergleich:

VarianteUmsetzungVollständig investiert ab
Einmalanlage12'000 CHF an Tag 1Tag 1
Hybrid-Ansatz6'000 CHF an Tag 1, danach 1'000 CHF pro Monat über 6 MonateMonat 6
Klassischer Sparplan1'000 CHF pro Monat über 12 MonateMonat 12

Bei einer angenommenen langfristigen Bruttorendite von 6 Prozent pro Jahr bedeutet jeder Monat, in dem ein Teilbetrag nicht investiert ist, entgangenes Wachstum auf genau diesen Teilbetrag. Bei der Einmalanlage arbeitet das gesamte Kapital von Anfang an. Beim klassischen Sparplan liegt im Schnitt über das erste Jahr gerechnet nur die Hälfte des Betrags tatsächlich im Markt – der Rest wartet noch auf dem Konto. Genau das ist der eingebaute Nachteil, den die Vanguard-Zahlen von oben in Rendite ausdrücken.

Ob sich das in deinem konkreten Fall lohnt, hängt davon ab, wie sich die Kurse in den nächsten zwölf Monaten tatsächlich entwickeln – das weiss niemand im Voraus. Die Wahrscheinlichkeit spricht historisch für die Einmalanlage, eine Garantie ist das nicht.


So setzt du es in der Schweiz technisch um

Für eine Einmalanlage reicht ein Online-Broker mit tiefen Courtagen. Saxo eignet sich für eine einzelne, grössere Order gut, weil die Courtage nicht wie bei zwölf einzelnen Sparplan-Raten mehrfach anfällt.

Für einen Sparplan oder den Hybrid-Ansatz sind ETF-Apps wie findependent praktischer: Du legst einen fixen Betrag und ein Intervall fest, der Rest läuft automatisch – ohne dass du jeden Monat selbst eine Order platzieren musst. Normalerweise sind die ersten CHF 2'000 deiner Anlagesumme bei findependent lebenslang gebührenfrei. Meldest du dich mit dem Code KUU7NG an, sind es sogar deine ersten CHF 3'000 – CHF 1'000 mehr als ohne Code. Keine Zusatzkosten für dich, du unterstützt damit gleichzeitig investsmart365.

Ein Detail, das in der Schweiz zusätzlich mitspielt: Auf jeden Wertschriftenkauf über einen inländischen Broker fällt die eidgenössische Stempelsteuer an – 0,15 Prozent auf Schweizer und 0,3 Prozent auf ausländische Wertschriften. Wer eine Summe in zwölf statt in einer Order kauft, zahlt diese Abgabe nicht zwölfmal in voller Höhe, sie berechnet sich pro Transaktionsvolumen. Trotzdem bedeuten viele kleine Transaktionen meist auch viele kleine Spreads und je nach Broker zusätzliche Fixkosten pro Ausführung. Bei sehr kleinen Raten lohnt sich deshalb ein Blick auf die Gebührenstruktur deines Brokers, bevor du zwölf statt vier oder zwei Tranchen wählst.


Praxistipp: Wer sich zwischen den Extremen nicht entscheiden kann, kann die Hälfte-Regel noch etwas entschärfen. 70 bis 80 Prozent sofort investieren und nur den kleineren Rest über drei Monate verteilen, hält den grössten Teil des Renditevorteils der Einmalanlage – und macht die ersten Wochen nach dem Einstieg psychologisch leichter zu verdauen, falls der Markt kurz danach tatsächlich nachgibt.


Fazit: Rendite oder Ruhe – du entscheidest

Rein statistisch ist die Einmalanlage die bessere Wahl, weil Aktienmärkte über die Zeit häufiger steigen als fallen und jeder Monat auf dem Sparkonto Rendite kostet. Wer diese Schwankungen emotional aber nicht aushält, trifft mit einem Sparplan oder Hybrid-Ansatz keine falsche Entscheidung – nur eine, die bewusst etwas Rendite gegen Ruhe eintauscht.

Dein nächster Schritt: Prüfe, wie viel bereits vorhandenes Kapital du investieren willst, und entscheide anhand deiner eigenen Risikotoleranz, ob es eine Einmalanlage, ein Hybrid-Ansatz über drei bis sechs Monate oder ein klassischer Sparplan wird. Wichtiger als die perfekte Strategie ist, dass du sie tatsächlich durchziehst.


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